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Das intelligente Handschuhsystem

Für eine barrierefreie Kommunikation

Was ist Kontakt?

Können Sie sich vorstellen, ohne Augen und Ohren zu kommunizieren? Denn genau vor dieser Aufgabe stehen ca. 6500 taubblinde Menschen in Deutschland. Um dieser Problematik entgegenzutreten, entwickelt das Unternehmen KONTAKT. Als Schnittstelle zwischen dem Nutzer und Lautsprachlern, erleichtert es Betroffenen die Kommunikation.

Das Produkt dient in Form eines Handschuhs als Übersetzungsmedium. So kann Lautsprache in tastbare Braille-Schrift übersetzt werden, während vom Nutzer in die Hand geschriebene Lormen oder Gebärden wieder in Lautsprache umgewandelt werden. Hierfür können verschiedene Stimmcharaktere, passend für den Anwender, eingestellt werden.

Die Entwicklung & das System

Jedes Produkt spiegelt die Bedürfnisse seiner Nutzer wieder. Da es sich bei der Zielgruppe der Taubblinden um Menschen handelt, deren Sinne in besonderem Maße eingeschränkt sind, aber auch um sinngesunde Menschen, die mit dem System interagieren, ergeben sich für Aussehen, Funktionen und Feeling spezielle Anforderungen.

Das Bild zeigt einen Mann, der die KONTAKT Website aufgerufen hat und am Laptop sitzt.

Die Website

Die Website von KONTAKT dient der Information, der initialen Einrichtung und der Bestellung des Systems. Sie ist übersichtlich gestaltet und unterstützt einen Taubblindenassistenten, einen Betreuer oder Angehörige des Taubblinden durch Schritt-für-Schritt-Anleitungen bei der Findung seiner Anfrage. Ein Besucher der Seite hat die Wahl zwischen einem Lormen- oder zwei Gebärdenhandschuhen für Taubblinde oder Taubstumme. Außerdem können verschiedene Stimmcharaktere, passend für den Anwender, eingestellt und auch nachträglich angepasst werden.

Das Bild zeigt den weißen KONTAKT Handschuh. Seine Oberfläche ist ledern und er hat am Handrücken einen leuchtenden, blauen Streifen eingenäht. Außerdem befinden sich auf dieser Seite die tastbaren Braillepunkte.

Der Handschuh

KONTAKT soll nicht als Hilfsmittel wahrgenommen werden, sondern als Chance - als echtes hightec-Produkt. Er kommuniziert über Vibrationen mit seinem Nutzer und via Lichtzeichen mit Lautsprachlern. Er informiert hiermit über seinen Status, den Akkustand und den Gesprächsverlauf. Sollte ein Lautsprachler eine zu komplexe oder lange Eingabe tätigen, spielt der Handschuh automatisch eine kurze Erklärungssequenz ab. Schreibt ein Träger in den Handschuh, bittet ein pulsierendes Licht am Handrücken den Lautsprachler zu warten.

Das Bild zeigt das Unternehmenslogo an einer Hauswand montiert. Es scheint metallen zu sein.

Das Logo

Das Logo des Unternehmens ist schlicht und klar gestaltet. Durch die symmetrische Schriftart mit weichen, runden Linien, welche nicht durch serifen gebrochen werden, entsteht ein Einheitliches und freundliches Ganzes. Das „O“ des Namens ziert an dessen Unterseite ein zusätzliches, nach unten offenes, ovales Element. In der Gesamtheit mit dem Buchstaben selbst ergibt sich ein stilisierter Avatar, welcher zwischen den anderen Buchstaben seinen Platz einzunehmen scheint. Er ist ebenso wie die anderen ein Teil des Wortes, ohne aufdringlich oder besonders zu wirken.

Das Bild zeigt eine Übersicht des Prototyps. Links steht ein Laptop der über ein Kabel mit einer Kiste rechts verbunden ist. Auf der Kiste steht eine Hand aus Gips. Über den beiden Elementen liegt ein Stomkabel.

Die Machbarkeitsstudie

Beim Prototyp des Systems handelt es sich nicht um ein Modell für Taubblinde, sondern lediglich um eine generelle technische Machbarkeitsstudie. Es soll getestet werden ob es möglich ist, Wörter in Brailleschrift zu übersetzen. Umgekehrt werden die Lormen, mit denen der Taubblinde kommuniziert, durch Morsezeichen ersetzt. Grund hierfür ist die Ähnlichkeit beider Kommunikationsformen - sie dekodieren Buchstaben in bestimmte Zeichen. Vorteil der Morsezeichen ist jedoch, dass nur ein einziger Drucksensor genügt, um Zeichen zu schreiben.

Das Bild zeigt den Handschuhprototypen.Im Gegensatz zum endgültigen Produkt ist dieser braun. Auch er besitzt an seiner Oberfläche Löcher für die Braillepunkte und einen leuchtenden, hellblauen Streifen.

Der Prototyp

Damit das System in seiner kompletten Form begutachtet werden kann, wird dennoch ein Handschuh gefertigt. Dieser besteht komplett aus hochwertigem, strapazierfähigem braunem Leder, sowie einem Aufsatz aus braunem Kunstleder am Handrücken. Auf den Anstrich mit weißer Lederfarbe, um dem Originalprodukt möglichst nahe zu kommen, wird aus ästhetischen Gründen verzichtet. In den Aufsatz werden die Löcher der Braillepunkte gestanzt und außerdem ein Streifen dünnen Stoffes als Halterung des Leuchtbandes angenäht.

Das Bild zeigt das Innenleben der Braillebox. Man sieht die kleinen Hubmagneten im Decken und alle Kabeln, die aus der Box eraus schauen.

Das Innenleben des Prototyps

Der Prototyp besteht aus sechs kleinen, federnden Hubmagneten. Verbunden sind diese mit einem Arduino UNO, der über ein USB-Kabel mit dem Arduino-Programm auf einem Laptop kommuniziert. Durch den seriellen Monitor des Programms werden nun Wörter eingegeben. Je nach Buchstabe steuert der Arduino dann diejenigen Hubmagneten an, deren „Kopf“ oben, bzw. unten sein muss, um das Zeichen darzustellen. Für die Übersetzung von Morsezeichen in geschriebene Worte ist ein einfacher Drucksensor an den Arduino angeschlossen. Die Zeichen werden dann ebenfalls vom Mikrocontroller in Buchstaben übersetzt und im seriellen Monitor angezeigt.

Der Bestellprozess

Mehrwert

Taubblind zu sein bedeutet, die Einschränkung von zwei Sinnen, die zur Wahrnehmung der Umwelt essentiell sind. Menschen mit dieser Behinderung sind ihr Leben lang auf Assistenten angewiesen, die sie in ihrem Alltag begleiten. Vor allem bei der Kommunikation von Taubblinden mit Menschen ohne Einschränkung ist ein Dolmetscher nötig, der die taktile Sprache übersetzt. Die Unabhängigkeit und damit verbunden auch die Privatsphäre ist somit beeinträchtigt.

Das System übersetzt taktile Kommunikationsformen in auditive Sprache und umgekehrt auditive Sprache in Braille-Schrift. Es bildet somit die Schnittstelle zwischen Taubblinden und deren Umwelt, macht diese unabhängiger und ermöglicht ihnen einen barrierefreien Kanal um sich auszudrücken.

Das Icon zeigt eine Glühbirne in mitten von zwei Kreisen.

Unabhängigkeit

Taubblinde und Hörsehbeeinträchtigte sind durch KONTAKT in Gesprächen mit Lautsprachlern unabhängiger von Taubblindenassistenten und Dolmetschern. Sie können selbst mit ihrem Kommunikationspartner reden.

Das Icon zeigt einen Kopf, dessen Oberseite offen ist und Elemente daraus hervorragen.

Privatsphäre

Bei Gesprächen muss dank dem Handschuh nicht unbedingt eine Dritte Person als Übersetzer im Raum sein. Dadurch können auch vertrauliche und/oder persönliche Gespräche geführt werden.

Das Icon zeigt links eine Person, die auf eine Maske rechts deutet.

Selbstbestimmtheit

KONTAKT verleiht seinen Nutzern Gehör und Stimme. Wörter und Sätze werden nicht erst durch einen Übersetzer interpretiert, sondern unmittelbar vom System wiedergegeben.

Markteintritt

Durch die Etablierung des Systems als Monomarke ist der Aufbau einer bestimmten Markenpersönlichkeit, sowie die präzise Ansprache der Zielgruppe gewährleistet. Außerdem fließen Kundenrezensionen unmittelbar in die Entwicklung des Systems ein, wodurch Änderungen unmittelbar vorgenommen werden können. Das geschieht im Modell der Monomarke ohne, dass diese durch mehrere Instanzen geprüft werden müssen. Andernfalls wäre der Entwicklungsprozesses des Produktes deutlich verzögert. Die eindeutige Positionierung der Marke ermöglicht zudem eine gezielte Werbung.

Über bestimmte Marketingkanäle, welche vornehmlich sinngesunde Menschen ansprechen, gelangen produkt- und markenspezifische Informationen an sogenannte Mittelsmänner/Mittelsfrauen, welche die Kommunikation mit den Taubblinden übernehmen. Vornehmlich sind das Mitarbeiter von Taubblindenwerken oder Taubblindenassistenten. Eine direkte Nutzer-Vertriebsstrategie wird aufgrund der Wahrung von Privatsphäre und des Aufwandes zunächst ausgeschlossen.

Das Anschreiben von Taubblindenwerken und Taubblindenassistenten im Sinne des Direktmarketings ist, gerade in der Anfangsphase des Systems, unverzichtbar um Nutzer zu erreichen. E-Mails und Briefe dienen dabei initial als erstes Kontaktmedium zwischen Nutzern und dem KONTAKT-Unternehmen. Parallel dazu helfen Public Relations bei der Verbreitung und Information über das innovative System. Hierdurch erreicht das Unternehmen nicht nur diejenigen, welche in Heimen wohnen, sondern auch Menschen, die daheim von der Familie oder Verwandten versorgt werden. Unterstützend wirbt eine Kampagnen-Website für das System und versorgt interessierte Betreuer oder Assistenten mit den wichtigsten Informationen. Auf dieser Seite kann das System dann auch direkt gemietet werden.

Das System kann tage- (3€ pro Tag), monats- (70€ pro Monat) oder jahresweise (65€ pro Monat/ 780€ pro Jahr) zuzüglich Versandkosten (ca. 4,40€) gemietet werden. Im Fall eines Monats- und Jahresabonnements ist ein Testen des System in einem Probezeitraum möglich. Dieser erstreckt sich über maximal zwei Monate im Jahres- und zwei Wochen im Monatsabonnement. In diesem Rahmen können Nutzer das System testen und im Fall des Nichtgefallens unentgeltlich zurück schicken. Der Vertragszeitraum eines Jahresabonnements beläuft sich nach Gesetz auf maximal 24 Monate und wird ohne ausdrücklichen Widerspruch des Kunden automatisch um maximal 12 Monate verlängert. Ein Kunde hat das Recht sein Abo mit einer Vorlaufzeit von einem Monat jederzeit zu kündigen.

Alle elektrischen Komponenten, Platinen und das Ladegerät, stammen aus China – alle weiteren aus dem Inland. Die Fertigung, also der Zusammenbau aller Teile, erfolgt dann in Deutschland. Je nach Möglichkeit werden Behindertenwerkstätten in diesen Prozess mit eingebunden, um Betroffene direkt unterstützen zu können. In Absprache mit Experten der Werkstätten wird dann geklärt, welche Produktionsschritte von den Mitarbeitern erledigt werden können. Je nach Einschätzung erfolgen, bzw. erfolgt die jeweiligen Fertigung/en dann in der Einrichtung. Für den Zusammenbau komplexer oder gefährlicher (wie etwa scharfkantiger oder elektronischer) Bauteile werden betriebseigene Ressourcen genutzt.

Alle produzierten KONTAKT-Systeme lagern zunächst im Büro des Unternehmens. So kann ein schneller, direkter Versand an Kunden garantiert werden und zurückgeschickte Systeme unmittelbar geprüft und Inlays gewaschen werden. Ein System hat in verpacktem Zustand (Inhalt: ein oder zwei Handschuhe, zwei Sommer- und Winterinlays, eine Bedienungsanleitung und ein Induktionsladegerät) eine Größe von ungefähr 15cm x 20cm x 20cm pro Paket. Der Inhalt wird während des Versandes mit Luftpolsterfolie geschützt.

Der Lebenszyklus des Produktes. Er beschreibt die Stationen von der Fertigung über die Nutzung, das Tauschen defekter Teile und das Waschen der Inlays bis hin zur erneuten Vermietung

Die KfW Bank bietet Gründern eine Plattform und unterstützt Projekte mit bestimmten Förderkrediten, welche günstige Zinsen und lange Laufzeiten garantieren. Vorteile sind unter anderem das direkte Wissen, ob eine Vergabe des Kredits erfolgt, sowie der Vertrag, der lediglich mit einem Unternehmen geschlossen wird. Die Rückzahlung des Kredits erstreckt sich zudem über mehrere Jahre und wird nicht, wie etwa bei Crowdfunding, initial von der beantragten Summe abgezogen. Nach dem 2. Gründungsjahr wird dann der Kredit mit einer Laufzeit von 15 Jahren zurückgezahlt. Ein zweiter Kredit von 100.000€ im Januar 2021 ermöglicht weitere Entwicklungen und Anschaffungen, zur Vergrößerung des Betriebes. Er wird ohne tilgungsfreie Jahre zurück gezahlt.

Der Bestellvorgang

Über die Website von KONTAKT wird das System bestellt. Dabei stehen verschiedene Mietvarianten, sowie Kommunikationsarten und Stimmeinstellungen zur Verfügung um das Nutzererlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten. Alle Einstellungen können in einem Kundenkonto gespeichert werden, sodass eine erneute Bestellung des Systems schnell erfolgen kann. Zudem kann die Stimme des Handschuhs über die Seite nachträglich angepasst werden.

KONTAKT Bestellprozess: Das erste Bild zeigt die Auswahl des Abonnementtyps. Ein Mieter wählt zwischen einem Tages-, einem Monats- oder einem Jahresabonnement.
KONTAKT Bestellprozess: Das zweite Bild zeigt die Auswahl der taktilen Sprache. Zur Auswahl stehen taktile Gebärden und Lormen für Rechts- und Linkshänder.
KONTAKT Bestellprozess: Das dritte Bild zeigt die Einstellung des Sprachcharakters. Soll die Stimme alt oder jung klingen?
KONTAKT Bestellprozess: Das vierte Bild zeigt die Individualisierung des Systems. Fühlbare Nieten oder helle Farben machen den Handschuh auffälliger.
KONTAKT Bestellprozess: Das fünfte Bild zeigt eine Übersicht der Bestellung und die Möglichkeit zum Kaufabschluss mit Zahlung und Versandart

Dokumentation

Weitere Informationen zu der voran gegangenen Forschungsarbeit mit dem Titel "Synästhetische Designansätze stärken die Bindung zwischen Nutzer und Produkt", sowie der Projektdokumentation von KONTAKT finden Sie unter folgenden Links:

Forschungsarbeit
Projektdokumentation